Herbstsemester 2014: Prof. Dr. Jens Herlth

Jens Herlth (*1971) ist seit 2007 ordentlicher Professor für Slavistik an der Universität Freiburg.
Nach seinem Studium der Slavischen Philologie, Germanistik und Westslavischen Philologie war er u.a. DAAD-Stipendiat am Maksim-Gor’kij-Literaturinstitut in Moskau und verbrachte verschiedene Forschungsaufenthalte in Russland, Polen und Kroatien. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel: "Auf schmalem Grat: Der polnische Katastrophismus im 19. u. 20. Jahrhundert. Poetik, Rhetorik, Geschichtsverständnis." Die Arbeitsschwerpunkte von Jens Herlth sind u.a.: Russische Lyrik des 20. Jahrhunderts, Dichtermythen, Literatur im ideengeschichtlichen Kontext, Wechselwirkungen zwischen literarischer und politischer Rhetorik, Geschichtsphilosophie und Kulturkritik in Polen.

Fedor Dostoevskij: Die grossen Romane

BA-/MA-Vorlesung

Die Vorlesung behandelt die fünf ‚grossen‘ Romane Dostoevskijs: Prestuplenie i nakazanie (Verbrechen und Strafe), Idiot, Besy (Böse Geister), Podrostok (Der Jüngling) und Brat’ja Karamazovy (Die Brüder Karamazov). Sie gibt einen Überblick über den historisch-kulturellen Kontext und die biographischen Hintergründe von Dostoevskijs Schaffen. Die Romane werden im Hinblick auf Aufbau, narrative Verfahren und zentrale thematische Aspekte analysiert. Dabei werden vor allem übergreifende Linien herausgearbeitet, sodass sich am Ende ein Gesamtpanorama der Poetik und der philosophisch-ideologischen Inhalte der Romane Dostoevskijs ergibt.

Lyrik und Geschichte

BA-Seminar

Kürze, Bildlichkeit, Subjektivität und andere typische Merkmale lyrischer Texte seit der Romantik lassen es erwarten, dass das Feld des Historischen eher anderen literarischen Gattungen überlassen wird, etwa dem Roman, der Verserzählung (poėma) oder dem Drama. Doch in der russischen Lyrik des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte sehr präsent. In diesem Seminar untersuchen wir, wie russische Gedichte des 20. Jahrhunderts historisches Erleben modellieren und historische Erfahrung repräsentieren. Gedichte wurden in Russland zu Referenzpunkten kollektiver Erfahrung; die gemeinsame Bezugnahme auf lyrische Texte stiftet Gruppenzugehörigkeit und wirkt identitätsbildend. Wir werden analysieren, wie lyrische Texte auf die Geschichte Bezug nehmen, wie sich ihre Sprecherinnen und Sprecher als historische Subjekte konstituieren. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen der Faktualität und der Fiktionalität des lyrischen Sprechens sowie immer wieder auch um die Sprache selbst, die das Material und das Ausdrucksmittel sowohl der Lyrik als auch des historischen Erzählens ist.

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