Annina Michel: Leiterin des Bundesbriefmuseums

Annina Michel ist Leiterin des Bundesbriefmuseums und Mitarbeiterin des Amtes für Kultur des Kantons Schwyz. Sie hat an der Universität Fribourg Germanistik im Hauptfach (Schwerpunkt Mediävistik) und Geschichte im Nebenfach studiert.

Beschreiben Sie in 4-5 Sätzen Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit und was Sie daran besonders schätzen.
Ich bin Mitarbeiterin des Amtes für Kultur des Kantons Schwyz und seit 2011 verantwortlich für die Altertümersammlung des Kantons und den Kulturgüterschutz, meine Haupttätigkeit aber ist die Leitung des Bundesbriefmuseums.
Hier bin ich für die Inhalte (Ausbildung MuseumsführerInnen, Museumspädagogik, Ausstellungen, Publikationen), für das Marketing, das Personal und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, verfasse Artikel, halte Referate und organisiere öffentliche Führungen. Ich schätze die Vielfalt meines Berufs, die Selbständigkeit, mit der ich das Museum und sein Angebot gestalten darf und das Privileg, mich mit Themen beschäftigen zu dürfen, die mich sehr interessieren.

Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?
Nach Abschluss meines Studiums 2009 erhielt ich die Gelegenheit, aushilfsweise im Staatsarchiv Schwyz zu arbeiten. So erfuhr ich im Herbst 2010 unmittelbar, dass die Leitung des Bundesbriefmuseums frei wurde (das Museum ist wie das Staatsarchiv eine Abteilung des Amtes für Kultur). Ich bewarb mich auf die Stelle und da ich ein abgeschlossenes Studium und Erfahrung in Museumsarbeit hatte (Praktikum im Nidwaldner Museum) und mir in der Zeit beim Staatsarchiv bereits einiges Wissen über die Geschichte von Schwyz erarbeitet hatte, bekam ich die Stelle.

Welche Fächerkombination haben Sie an welcher Uni studiert?
An der Universität Fribourg: Germanistik (Schwerpunkt Mediävistik) im Haupt- und Geschichte im Nebenfach.

Was hat Sie zu einem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften bewogen?
Ursprünglich wohl meine Begeisterung für Literatur. Während des Studiums habe ich dann aber vor allem die exakte Arbeit mit Quellen und Sprache zu schätzen gelernt. Mir hat die mittelalterliche Literatur gerade deswegen sehr gut gefallen, weil man auf den Text zurückgeworfen ist, über den Autor und sein Umfeld nur wenig weiss und deswegen nur von dem ausgehen kann, was einem überliefert wurde – dem Text. Meine Abschlussarbeit über Vermittlungsstrategien in mittelalterlichen Chroniken bot mir zudem Gelegenheit, auch meinem Interesse für Geschichte viel Raum zu geben.

Was ist das Wichtigste, das Sie aus Ihrem Studium für Ihre berufliche Tätigkeit mitgenommen haben?
Exaktes Arbeiten, Recherchieren, Reden vor Leuten, Formulieren eines Argumentes oder einer These, kritisches Hinterfragen von Quellen und deren Auswertungen

Welche Tipps geben Sie angehenden Studierenden der Sprach- und Literaturwissenschaft mit auf den Weg?
Wichtig ist sicher, dass man das Erlernte in die Praxis umsetzen kann. Dabei geht es weniger um Inhalte als vielmehr um wissenschaftliches Arbeiten.
Ich empfehle dringend, ein Studium mit dem Master abzuschliessen und nicht bereits nach dem Bachelor aufzuhören.
Setzen Sie sich bei einer Praktikumsstelle oder einer Aushilfsarbeit voll ein. Viele Arbeitgeber behalten gute Praktikanten, wenn sie die (finanziellen) Möglichkeiten dazu haben. Anderenfalls wird Ihnen wenigstens ein gutes Zeugnis ausgestellt. Sehen Sie jeden noch so unscheinbar wirkenden oder unterbezahlten Job als Chance, sich zu bewähren und zu zeigen, was Sie können.

Weitere Bemerkungen zu Ihrem Studium, Ihrem Beruf?
Es ist oft frustrierend festzustellen, dass oft eine grosse Portion Glück darüber zu entscheiden scheint, ob man einen Job bekommt oder nicht und man so oft zu hören bekommt, man müsse halt „zur rechten Zeit am rechten Ort“ sein. Das stimmt wohl tatsächlich. Aber mindestens so wichtig wie Glück sind der Einsatz und die Leistung, die man erbringt und das Interesse, das man zeigt. Studieren Sie mit Begeisterung. Das wird man Ihnen anmerken.

September 2016

esense GmbH